Wie bei jeder Tumorerkrankung wird auch bei Brustkrebs zunächst versucht, eine Heilung zu erzielen, sofern dies möglich ist. Aber auch in fortgeschrittenen Stadien gibt es noch viele Behandlungsmöglichkeiten. 

Ein primäres lokoregionales Mammakarzinom sollte unbedingt reseziert werden, bei brusterhaltender Technik mit anschließender Bestrahlung. Aber auch rezidivierte Karzinome und sogar Fernmetastasen können häufig chirurgisch behandelt werden – zumeist in Kombination mit einer systemischen Therapie.

Grundsätzlich ist beim Mammakarzinom (Mamma-Ca) zwischen der lokoregional begrenzten Primärerkrankung und dem rezidivierten oder metastasierten Mamma-Ca zu unterscheiden.1
 

Lokoregional begrenzter Tumor

Das duktale Carcinoma in situ (DCIS) ist ein per definitionem (noch) nicht invasiver Tumor. Das Therapieziel besteht in der Progressionsvermeidung durch chirurgische Tumorentfernung. Die Resektionsgrenzen sollen mindestens zwei Millimeter breit sein, wenn eine adjuvante Radiotherapie angeschlossen wird. Diese vermindert das Risiko eines Lokalrezidivs nach brusterhaltender Operation um bis zu 50 Prozent. Da das DCIS definitionsgemäß als noch nicht metastasierungsfähiger Tumor gilt, ist eine Axilladissektion nicht erforderlich und eine Biopsie des Wächterlymphknotens wird nur in ausgewählten Fällen durchgeführt.1 

Die Therapie des invasiven Mamma-Ca beruht auf der Tumorresektion im Gesunden (R0-Resektion). Der Status des Resektionsrands hat beim invasiven Mamma-Ca prognostische Bedeutung. Nach brusterhaltender Operation wegen eines invasiven Karzinoms soll eine Bestrahlung der gesamten Brust durchgeführt werden. Diese Methode ist hinsichtlich des Überlebens der alleinigen Mastektomie gleichwertig. Allerdings kann eine Mastektomie etwa bei inflammatorischem Mamma-Ca, bei Kontraindikationen zur Nachbestrahlung und nicht zuletzt auf Wunsch der aufgeklärten Patientin indiziert sein. Je nach individueller Situation (Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Hormonrezeptor- und Human Epidermal Growth Factor Receptor (HER)2-Status, Menopausenstatus und Alter) kann eine adjuvante oder neoadjuvante Therapie (endokrin, Chemotherapie, Antikörper) indiziert sein.1
 

Rezidivierter oder metastasierter Tumor

Beim intramammären, lokoregionalen Rezidiv wird durch die sekundäre Mastektomie die höchste lokale Tumorkontrolle erzielt. Bei einem axillären Lymphknotenrezidiv sollte eine lokale Kontrolle der Erkrankung durch erneute operative axilläre Intervention gegebenenfalls mit Radiotherapie erfolgen. Eine Systemtherapie nach R0-Resektion eines lokoregionären Rezidivs soll für ein verlängertes krankheitsfreies Intervall und ein verlängertes Gesamtüberleben erwogen werden. Eine Bestrahlung nach Rezidivoperation sollte interdisziplinär diskutiert und entschieden werden.1 

Bei Fernmetastasen ist die endokrine Behandlung mit oder ohne zielgerichtete Therapie Methode der Wahl bei positivem Hormonrezeptorstatus und negativem HER2-Status. Je nach Menopausenstatus und Vorbehandlung werden unterschiedliche, endokrin wirksame Substanzen und Zieltherapeutika eingesetzt, etwa Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH)-Analoga, Östrogenrezeptormodulatoren, , Antiöstrogene, Cyclin-abhängige Kinase (CDK4/6)-Inhibitoren, Aromatasehemmer oder mTOR-Inhibitoren. Eine kombinierte chemo-endokrine Therapie wird nicht empfohlen.1

Bei Indikation zu einer Chemotherapie sollten Patientinnen ohne hohen Remissionsdruck eine sequenzielle Chemotherapie erhalten. Die Kombinationstherapie aus Chemotherapie und Bevacizumab kann in der Erstlinientherapie das progressionsfreie Überleben verbessern, allerdings mit erhöhter Nebenwirkungsrate und ohne Einfluss auf das Gesamtüberleben. Metastasierte HER2-positive Mammakarzinome sollten, sofern keine kardialen Kontraindikationen bestehen, mit einer Anti-HER2-Therapie behandelt werden. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch Fernmetastasen, etwa in Hirn, Leber oder Lunge, chirurgisch entfernt werden.1
 

Palliativsituation

In der Palliativversorgung besteht das Ziel, die Lebensqualität von Patientinnen mit einer lebensbedrohenden Erkrankung zu verbessern. Die Maßnahmen in der Palliativsituation orientieren sich daher an den individuellen Therapie- und Lebenszielen der Patientin und umfassen im Wesentlichen medizinische Symptomenkontrolle, Palliativpflege und psychosoziale Begleitung bis zum Tod.1

 

Referenzen

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 4.1, 2018, AWMF Registernummer: 032-045OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom (Zugriff am: 23.08.2019) 
     
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