Bei Verdacht auf Vorliegen von Brustkrebs muss rasch eine weitere Abklärung erfolgen. Dafür steht ein Arsenal an nichtinvasiven und invasiven diagnostischen Methoden zur Verfügung, die zum Teil sehr komplex sind und üblicherweise genau definierten klinischen Algorithmen folgen.
 
Routinemäßig soll zunächst eine Basisuntersuchung mit Anamnese und klinischer Brustuntersuchung, Mammographie und Ultraschall durchgeführt werden.

Bei auffälligem Befund folgen ergänzende bildgebende Verfahren wie Kontrastmittel-MRT65 sowie bildgebungsgesteuerte minimalinvasive Biopsien wie Stanz- und Vakuumbiopsie und in begründeten Ausnahmefällen offene Exzisionsbiopsie. Bei der Durchführung und Befundung von diagnostischen Maßnahmen müssen zudem die Wirkungen von endogenen und exogenen Hormonen berücksichtigt werden.1
 

Analyse tumorbiologischer Faktoren

Die Auswertung des bioptischen Materials soll alle prätherapeutisch notwendigen tumorbiologischen Faktoren zur Therapieplanung erfassen, etwa Tumortyp, Staging mit Lymphknotenbefall, Grading, Mikrokalk, sowie immunhistologische Zusatzuntersuchungen wie Hormonrezeptorstatus und HER2-Status. Neue Indices wie der Ki-67-Proliferationsindex sowie die genauere Bestimmung von molekularen Subtypen des Mammakarzinoms, die sich im klinischen Verlauf und Therapieansprechen signifikant unterscheiden (Luminal A, Luminal B, Human Epidermal Growth Factor Receptor (HER)2-positiv, Basal-ähnlich bzw. triple-negativ), ergänzen die molekulargenetische Diagnostik. Die klinische Klassifikation orientiert sich nach wie vor an der TNM- (klinischen) und pTNM- (pathologischen) Klassifikation (8. Auflage), aus der sich die Stadien 0 bis IV des Mammakarzinoms ableiten.1
 

Diagnostik bestimmt Therapiekonzept

Die Evaluierung all dieser Befunde erlaubt das Erstellen eines therapeutischen Gesamtkonzepts und eine gezielte Operationsplanung. Eine intraoperative Schnellschnittuntersuchung kann indiziert sein, wenn sie das weitere operative Vorgehen unmittelbar beeinflusst, etwa zur Beurteilung der Dignität einer Läsion, zur Bestimmung des Resektionsrandstatus (R0, R1 oder R2) oder zur Beurteilung von Wächterlymphknoten. Die diagnostischen und operativen Fortschritte in der Therapie des primären Mammakarzinoms werden ergänzt durch die Erfolge der primären systemischen Therapie.1
 

Rezidive, Metastasen

Die Diagnostik des lokalen oder lokoregionalen Rezidivs basiert ebenso wie die Diagnostik des lokal begrenzten Primärtumors auf bildgebenden Verfahren mit histologischer Abklärung. Dies umfasst etwa eine erneute Bestimmung von Hormonrezeptorstatus und HER2-Status sowie in komplettes Restaging, auch mit dem Ziel, zu entscheiden, ob ein kuratives oder ein palliatives Therapieziel besteht. Bei Verdacht auf Fernmetastasen, auch bei neu diagnostiziertem Mammakarzinom mit entsprechendem klinischem Verdacht, müssen diese durch geeignete diagnostische Maßnahmen ausgeschlossen werden. Als Staginguntersuchung bei Verdacht auf Metastasen sollen eine kontrastverstärkte Computertomographie von Thorax, Abdomen und Becken sowie ein Knochenszintigramm zur Beurteilung eines ossären Befalls durchgeführt werden.

 

Referenzen

  1. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie Früherkennung, Diagnose, Therapie und Nachsorge des Mammakarzinoms, Version 4.1, 2018, AWMF Registernummer: 032-045OL, http://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/leitlinien/mammakarzinom (Zugriff am: 23.08.2019)
     
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