Migräne- Patientinnen und -Patienten mit häufigen, lang andauernden oder sehr schweren Attacken können von einer medikamentösen Migräneprophylaxe profitieren. Voraussetzung dafür ist die fachärztliche Abklärung durch den Neurologen oder die Neurologin.

Jeder Mensch, der regelmäßig unter Kopfschmerzen leidet, sollte zumindest einmal im Leben zwecks Diagnosestellung neurologisch abgeklärt werden, so Dr. Nadine Vavra, Fachärztin für Neurologie und Expertin für Kopfschmerzen. Lautet die Diagnose Migräne, so können bei dieser Gelegenheit auch die Notwendigkeit bzw. die Optionen einer Attackenprophylaxe mit dem Neurologen oder der Neurologin besprochen werden. Kandidaten für eine prophylaktische medikamentöse Therapie sind Patientinnen und Patienten mit häufigen oder regelmäßig über mehrere Tage andauernden Attacken. Auch bei Unverträglichkeit oder Unwirksamkeit der Akuttherapie, häufigem Gebrauch von Akutmedikamenten oder bei sehr schweren Attacken, z.B. mit komplizierter Aura, kann eine Attackenprophylaxe indiziert sein.

Die verschiedenen Leitlinien erlauben ab drei bis vier Migräneattacken pro Monat eine prophylaktische Therapie. Auf diesem Weg kann eine Reduktion der monatlichen Migränetage um mindestens 50 % erreicht werden. In dieser Indikation werden unter anderem Beta-Blocker, Antidepressiva, Antikonvulsiva oder Kalziumantagonisten verschrieben, deren Einsatzmöglichkeiten jedoch durch Nebenwirkungen, Interaktionen und Kontraindikationen limitiert werden.1 Mit den monoklonalen Antikörpern gegen das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) bzw. dessen Rezeptor stehen nun besser verträgliche Optionen in der Migräneprophylaxe zur Verfügung.

Beispielsweise erwies sich Erenumab, ein Antikörper gegen den CGRP-Rezeptor in der Prophylaxe der episodische Migräne im Vergleich zu Placebo als signifikant überlegen, zeigte dabei jedoch ein Nebenwirkungsprofil auf Placebo-Niveau.2 Die Ergebnisse dieser klinischen Studie entsprechen, so Dr. Vavra, durchaus den Erfahrungen in der Praxis. Dr. Vavra: „Es gibt wenige Kontraindikationen und die Verträglichkeit ist deutlich besser als die der langjährig etablierten Therapien. Meiner persönlichen Einschätzung nach ist auch die Wirksamkeit besser.“ Diese Antikörper befinden sich mittlerweile in der grünen Box und können ohne chefärztliche Bewilligung von Fachärzten oder Fachärztinnen für Neurologie verschrieben werden.

 

Referenzen

  1. Diener H.-C., Gaul C., Kropp P. et al., Therapie der Migräneattacke und Prophylaxe der Migräne, S1-Leitlinie, 2018, in: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (Hrsg.), Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie. Online: www.dgn.org/leitlinien (abgerufen am 11.05.2020)
  2. Goadsby PJ et al. A Controlled Trial of Erenumab for Episodic Migraine. The New England Journal of Medicine. 2017;377(22): 2123-32.
     

 

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