ÖGP rät zur Fortführung der Therapie bei COPD und Asthma

Im nachfolgenden Artikel haben wir für Sie die wichtigsten Informationen rund um COVID-19 im Zusammenhang mit Asthma und COPD aus der Stellungnahme der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) für Sie zusammengefasst. Die offizielle Stellungnahme finden Sie hier.

 

Asthma

Die gute Nachricht vorweg: Ein kontrolliertes Asthma stellt kein erhöhtes Risiko für einen schwereren COVID-19 Verlauf dar. Deshalb empfehlen die Spezialisten der ÖGP bei Kindern und Erwachsenen mit Asthma die adäquate und individuell eingestellte Therapie unverändert fortzuführen. Keinesfalls sollten die Medikamente unter der Annahme, dass sie das Immunsystem schwächen könnten, abgesetzt werden! Denn ein gut kontrolliertes Asthma ist die beste Voraussetzung für einen milden Verlauf einer möglichen SARS-CoV-2 Infektion. Dies gilt sowohl für inhalative Kortisonpräparate als auch für die Therapie mit Biologika (wie Omalizumab, Anti IL-5, Anti IL-4/13). Eine negative Beeinflussung der Immunabwehr gegen SARS-CoV-2 sei durch die Biologika nach jetzigem Wissenstand nicht zu erwarten. Die Gabe von oralem Kortikosteroid sollte grundsätzlich vermieden werden. Die einzigen Ausnahmen werden unter der Rubrik „Therapie mit systemischen Steroiden“ genannt.

Daneben sollten Patienten mit Asthma genau auf Änderungen ihrer Symptomatik achten. Insbesondere das Symptom Fieber deutet auf einen Infekt hin und sollte abgeklärt werden. Husten und Atemnot sind häufige Symptome bei Asthmatikern, können aber zusätzliche Hinweise sein, wenn diese plötzlich zunehmen. 

 

COPD

Auch COPD-Patienten sollten ihre regelmäßig verwendete Therapie gerade jetzt möglichst konsequent durchführen, um die gefürchteten akuten Verschlechterungen der COPD, sog. Exazerbationen, möglichst zu verhindern. Die Gabe von oralem Kortikosteroid sollte auch hier grundsätzlich vermieden werden. Die einzigen Ausnahmen werden unter der Rubrik „Therapie mit systemischen Steroiden“ genannt. 

Der wichtigste Schutz ist das Zuhause bleiben und den Abstand zu anderen Personen einzuhalten. 

Ob eine SARS-CoV-2 Infektion vorliegt, ist bei COPD Patienten schwieriger zu evaluieren, da Fieber und plötzlich auftretende Atemnot auch auf eine Exazerbation hinweisen kann. Daher sollten hier auch weitere Symptome einer COVID-19 Erkrankung wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall sowie der Verlust von Geschmacks- und Geruchssinn mit einbezogen werden.

 

Inhalative Therapien

Aerosole bei inhalativen oder atmungsunterstützenden Therapien (Feuchtvernebler, O2 über Nasenbrille/Maske, HFNO, nicht invasive Beatmung) sollte bei COVID-19 durch das gesteigerte Infektionsrisiko für Gesundheitspersonal und Patienten vermieden werden.1Inhalative Bronchodilatatoren oder Kortikosteroide sollten vorzugsweise in Form von Trockenpulverinhalatoren oder (auch bei nicht-invasiver oder invasiver Beatmung) Dosieraerosolen zur Anwendung kommen.2

 

Behandlung von Asthma und COPD Patienten mit wahrscheinlicher oder bestätigter SARS-CoV-2 Infektion

 

Milder Verlauf: 

  • Häusliche Isolierung 
  • Fiebersenkende Maßnahmen
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • Wenn möglich Sauerstoffsättigung kontrollieren (Fingerpulsoximeter), ansonsten Atemsituation beobachten, bei zunehmender Atemnot in Ruhe/ minimaler Belastung sollte ärztlicher Rat eingeholt werden
  • Asthmatiker sollten Peak-Flow-Werte regelmäßig dokumentieren und bei Änderungen ärztlich abklären lassen  
     

Therapie mit systemischen Steroiden:

Vorsicht sei bei der systemischen Steroidtherapie geboten, warnt die ÖGP. Eine Vielzahl von Studien und Metaanalysen zeigten keinen Nutzen bzw. eine erhöhte Mortalität von systemischen Steroiden bei svCAP bzw. beim viralen Acute Respiratory Distress Syndrom (vARDS).3,4,5 Daher wird von einem routinemäßigen Einsatz von systemischem Kortison von svCAP/vARDS inkl. COVID-19 abgeraten.6, 7

 

Ausnahmen: 

Systemische Steroide können bei viraler CAP erwogen werden:

  • Hydrocortison bei therapierefraktärem Schock mit massiver hämodynamischer
  • Instabilität entsprechend den Sepsis-Leitlinien indiziert8,9 
  • Schwere COPD-Exazerbation: 0,5 mg Prednisolon/kg/d für 5-7 Tage, dann Stopp
  • Schwere Asthma-Exazerbation: 0,5 mg Prednisolon/kg/d für höchstens 7 Tage, dann über weitere 7 Tage ausschleichen
  • Im Verlauf einer svCAP können bei Verdacht auf organisierende Pneumonie oder Exazerbation einer vorbestehenden Lungenfibrose im Einzelfall systemische Steroide erwogen werden 

 

Freistellung von Risikogruppen

Zu den von der Bundesregierung genannten Möglichkeit der Freistellung von besonders gefährdeten Risikogruppen von beruflichen Tätigkeiten im öffentlichen Raum, bezieht die ÖGP folgende Stellung:  

Anhand der bisherigen COVID-19 Daten und der evidenzbasierten klinischen Erfahrung kann diese für folgende Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen erwogen werden:

  • Alter >65 Jahre und schwere Lungenerkrankung jeglicher Art
  • Alter ≤65 Jahre mit
    • pO2 <65 mmHg unter Raumluft oder
    • Langzeitsauerstofftherapie (LTOT) oder
    • FEV1 <70% Sollwert oder
    • FVC <70% Sollwert oder
    • Diffusionskapazität <70% Sollwert oder
    • zystischer Fibrose oder
    • aktiver Krebserkrankung oder
    • systemischer immunsuppressiver Therapie bzw. kongenitaler Immundefizienz

 

Patienten ≤65 Jahre mit einer nur leichten COPD oder einem leichten Asthma und gut kontrollierter Symptomatik haben kein (signifikant) erhöhtes Risiko schwer an SARS-CoV-2 zu erkranken. Eine generelle Arbeitsfreistellung ist bei diesen Patienten nicht erforderlich.

Die vollständige Stellungnahme der österreichischen Gesellschaft für Pneumologie finden Sie hier

 

Referenzen:

  1. Yuqing Zhou et al.: Use of corticosteroids in influenza associated acute respiratory distress syndrome and severe pneumonia: a systemic review and meta-analysis. Nature Reports. Scientific Reports (2020) 10:3044; https://doi.org/10.1038/s41598-020-59732-7.
  2. Lansbury L et al.: Corticosteroids as Adjunctive Therapy in the Treatment of Influenza. An Updated Cochrane Systematic Review and Metaanalysis. 
  3. Crit Care Med 2020; 48:e98–e106. Russell CD et al.: Clinical evidence does not support corticosteroid treatment for 2019-nCoV lung injury. Lancet. 2020;395(10223):473. Epub 2020 Feb 7.
  4. Clinical management of severe acute respiratory infection (SARI) when COVID-19 disease is suspected: Interim guidance V 1.2; https://www.who.int/publications-detail/clinical-management-of-severeacute-respiratory-infection-when-novel-coronavirus-(ncov)-infection-is-suspected
  5. Interim Clinical Guidance for Management of Patients with Confirmed Coronavirus Disease (COVID-19); https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/hcp/clinical-guidance-manageme....
  6. ÖGARI-Empfehlung: ICU Therapy guideline for the treatment of patients with a SARS CoV2 infection 2020. 
  7. Villar J et al. Dexamethasone treatment for the acute respiratory distress syndrome: A multicentre, randomised controlled trial. Lancet Respir Med, published Online February 7, 2020; https://doi.org/10.1016/S2213-2600(19)30417-5.
     
AT2005822357